Das Wort „Advent“ kennt man in unserer Gesellschaft kaum noch. In den Medien ist jetzt von der „Vorweihnachtszeit“ die Rede oder gar schon von „Weihnachten“. Dabei haben die Wochen vom ersten Adventssonntag bis zum 24. Dezember ihren ganz eigenen Inhalt und ihr eigenes Gepräge.
Ein neues Kirchenjahr, das Lesejahr A, beginnt mit dem letzten Sonntag im November Advent. Der liebe Advent ist schon wieder da. Ein Geschenk Gottes. Advent heißt nicht etwa Erwartung wie oft zu hören ist, sondern ist die Übersetzung des griechischen Wortes Parusia, was Ankunft bedeutet – genauer gesagt, begonnene Anwesenheit. In der Antike wurde das Wort gebraucht, um die Ankunft oder bereits eingetroffene Anwesenheit eines Königs oder Herrschers auszudrücken. Advent heißt also begonnen Anwesenheit, nämlich Gott selbst. Advent sagt uns: Gottes Anwesenheit in der Welt hat schon begonnen. Seine Anwesenheit ist jedoch noch nicht vollendet.
In dieser Zeit will er sichtbar in uns, den Glaubenden, anwesend sein in der Welt. Durch unser Glauben, Hoffen und Lieben will er sein Licht hineinleuchten lassen in die Nacht der Welt. Die Lichter, die wir in der dunklen Jahreszeit entzünden, sind Tröstung und Mahnung zugleich: Das Licht der Welt ist im Dunkel der Nacht von Bethlehem schon aufgegangen und die unheilige Nacht der menschlichen Sünde in die Heilige Nacht der göttlichen Verzeihung dieser Sünde umgewandelt. Doch das Licht kann nur weiterleuchten, wenn es in denen leuchtet, die es als Zeugen des Glaubens forttragen durch die Zeiten. Gott bracht sozusagen unser Lichtsein.
Der Advent ist nämlich nicht nur die Vorbereitungszeit auf die weihnachtlichen Hochfeste mit ihrem Gedächtnis des ersten Kommens des Gottessohnes Jesus Christus zu den Menschen. Der Christ schaut nicht nur auf das vergangene, sondern ebenso auf das Kommende. Er weiß inmitten aller Katastrophen der Welt – auch der persönlichen – mit überlegener Gewissheit, dass die Saat des Lichtes in verborgener Weise wächst, bis eins Tages das Gute endgültig siegen wird: wenn Christus wiederkommt. Die begonnene Anwesenheit Gottes wird eines Tages vollendete Anwesenheit sein. Dieses Wissen macht uns frei und schenkt uns Geborgenheit im Blick auf das Kind von Bethlehem, den Menschgewordene Sohn Gottes, in dem der Vater seine ganze Liebe offenbart die jeden von uns persönlich erreichen will.
So wird der Advent wirklich zu einer Zeit des Wartens und der Erwartung, einer Zeit der Stille und Innerlichkeit, einer Zeit um zum Wesentlichen zu finden, zu einer Zeit der Hoffnung, dass Gott in mir und anderen Mensch werden kann. Ihnen allen wünsche ich, auch im Namen des Kirchen-Vorstandes und Seelsorgeteams für die kommende, hoffentlich nicht allzu hektische Zeit, viel Kraft und Mut, sich für das Wesentliche und das Richtige zu entscheiden. Möge Gott Sie und Ihre Zeit mit seinem Segen erfüllen.