Mit dem ersten Advent beginnt ein neues Kirchenjahr. Um was geht es eigentlich im Advent? Ist der Advent für uns als Vorbereitungszeit auf das Weihnachtsfest auch Vorbereitung auf das wieder neu Empfangen von Jesus Christus in unserem Leben? Zu diesem Gedanken möchten wir Ihnen und Euch in diesem Jahr die Frage mit auf den Weg geben: Was bedeutet mir mein Glaube an Jesus Christus? Welchen Stellenwert hat Jesus für mein Leben?

Wende, Wandel – diese Worte hören wir in den letzten Monaten oft, um die wichtigen Bewegungen unserer Zeit einzuordnen: Coronawende, Klimawandel, digitaler Wandel und Energiewende. Zeitenwende ist auch der Ausdruck geworden um die katastrophalen Folgen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine zu veranschaulichen. Gott, was soll das werden?

In diese Zeit spricht am Ersten Advent der Prophet Jesaja hinein: „Er wird Recht schaffen zwischen den Nationen und viele Völker zurechtweisen. Dann werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen um schmieden und ihre Lanzen zu Winzermessern. Sie erheben nicht das Schwert, Nation gegen Nation, und sie erlernen nicht mehr den Krieg“ (Jesaja 2, 4).

Die Jesaja-Vision am Beginn des neuen Kirchenjahres vermittelt die Botschaft, dass wir der Zukunft nicht hilflos ausgeliefert sind. Wir können und sollen etwas tun: wachsam sein, Gottes Zeichen erkennen und vertrauen, dass durch ihn am Ende alles gut wird. Hier wird nichts weniger als die Wende der Katastrophe bejubelt in den Triumph göttlicher Macht über menschliche Gewalt und Herrschaftsansprüche. Gott, kann ich das glauben?

Hier verwenden wir um ein „modernes Gleichnis“ dafür zu benutzen aus der Computerwelt: Gott ist nicht irgendein Programm, das ich aufrufe, wenn ich es brauche, sondern der Prozessor, der letztlich alles steuert. Sie merken: Wenn man es so sieht, ist Tun für den Glauben nicht etwas Zusätzliches, sondern es ist eher die Frage, „wie“ ich die Dinge meines Alltags tue, mit welcher Haltung und mit welchen Zielen. Doch hierfür gibt es viele Formen und viele Möglichkeiten der Intensität.

Zum Bespiel in diese Zeit so passend die Worte des Johannes des Täufers: „Bereitet den Weg des Herrn. Ebnet ihm die Straße.“ (Mk 1,3) Wir sind in diesen Tagen eingeladen, in unserem Leben wieder Raum zu schaffen, damit Gott zu uns kommen kann. Wir sollten uns in diesen kommenden Wochen besonders Zeit nehmen für das Nachdenken über Gott und seine Bedeutung für unser Leben. Wir sollten uns Zeit nehmen für Gebet und Stille. Wir sollten wachsam sein für die Zeichen seiner Gegenwart in unserem Leben.

Darum laden wir Sie und Euch besonders zur Mitfeier von „Rorate-Gottesdiensten“ und vielfältige Angebote in unserer Pfarrei ein. Sie lassen zur Ruhe kommen und erzeugen in uns doch die notwendige Spannkraft, die uns sensibel macht für Spuren Gottes in unserem Leben, in unserem Alltag. „Ergreifen wir die Hand, die er uns entgegenstreckt. Es ist eine Hand, die uns nichts nehmen, sondern nur beschenken will“ (Emeritierter Papst Benedikt XVI). In diesem Sinne wünschen wir Ihnen und Euch eine gesegnete Adventszeit.