„Gott sei Dank“, die Ferien, die Urlaubszeit ist nicht mehr weit entfernt! Das hören wir jetzt immer öfter. Wir leben in einer Welt und in einer Zeit, in der es nicht leicht ist zu leben. Jeder Tag bringt seine Schwierigkeiten mit sich, hat aber genauso viele schöne Seiten. Was macht uns eigentlich fertig? So unterschiedlich jede und jeder von uns ist, so unterschiedlich sind wohl auch die Dinge, die belasten.
Heute ticken die Menschen im Minutentakt. Die Zeit rast. Viele halten nicht mehr Schritt, die Jahre drücken aufs Tempo. Die Sehnsucht wächst, auf die Bremse zu treten. Endlich mal runter vom Gas. Endlich mal nicht beschleunigen! Entschleunigen. Endlich Urlaub. In einem Gedicht von Pablo Neruda – Nobelpreisträger heißt es: „Lasst mich allein an einem Tag! Gebt mir Urlaub, dass ich geboren werde“. Zum Leben gehören auch Erholung und sinnvoll gestaltete Freizeit.
Doch Vorsicht. Einen heiß gelaufenen Motor spritzt man nicht mit kaltem Wasser ab. Stress-Experten warnen davor, ein Leben auf der Überholspur von einem auf den nächsten Tag zum Stillstand zu bringen. Lassen Sie sich Zeit. Fühlen Sie sich gelassen. Lassen Sie Ihre Seele baumeln.
Wenigstens für eine kurze Zeit muss man sich aus dem Alltag herausreißen, sich entspannen, um sich neue Kräfte zu holen. Der Mensch ist keine Maschine. Denn auch der Bogen, der überspannt wird, zerbricht. Erholung ist weder eine Erfindung des Kapitalismus noch des Sozialismus. Erholung hat Gott selbst eingeführt. Die Israeliten haben von Gott den siebten Tag jeder Woche als Geschenk zum Ausruhen und zum Gebet bekommen.
Die Passage im Evangelium ist mir am sympathischsten, als die Jünger einmal von der Last und Hetze des Alltags zu Jesus kommen und er ihnen sagt: „Kommt und ruht ein wenig aus“ (Mk 6, 31). Wir brauchen dieses Ausruhen, das Abschalten und Entspannen. Nur dann können wir zu uns selbst finden und auch zum anderen und zur Freude.
Für die meisten bedeutet „Urlaub“ verreisen. Man kann Abstand von Alltag wohl am leichtesten finden, wenn man anderes kennenlernt. Manche fliegen in ferne Länder, fahren ans Meer, zum Wandern in die Berge, oder verbringen ganz einfach ihren Urlaub zu Hause. Ein Kabarettist ist im Fernsehen gefragt worden, ob er seinen Urlaub im Ausland verbringen werde. Er antwortete: „Nein, denn überall, wo ich bin, habe ich Urlaub…“
Ob Sie Ihre Ferien genießen, hängt nicht von dem Ort ab, an dem Sie sind. Egal, ob am Strand, in den Bergen oder daheim: Ferien sind zuerst die Einstellung, zur Ruhe kommen zu wollen. Nikolaus von Kues sagt über das Verhältnis von Ruhe und Gott: „Ruhe ich, so bist du bei mir; steige ich auf eine Höhe, so steigst du mit mir; steige ich herab, so steigst auch du herab: Wohin ich mich wende, du bist bei mir».
Im Namen des Kirchenvorstands wünsche ich Ihnen und uns allen, dass diese ersehnte Ruhepause dazu dienen möge, Geist und Körper zu stärken, die Tag für Tag ständiger Anstrengung und Belastung ausgesetzt sind.
