Nach der Fastnachtszeit, in welcher sich die Menschen entspannten, erfreuten und lustig fühlten, kam die Fastenzeit. Wieder schenkt uns Gott 40 lange Tage. Es ist gut, dass wir uns bewusst machen, dass diese Zeit wirklich Gottes Geschenk ist. 40 Fastentage……aber warum eigentlich? Sind oder waren die Tage vorher und nachher weniger wichtig, dass es eine „Extra Zeit“ braucht?

In unserer alltäglichen Sprache gebrauchen wir oft Wörter wie „irgendjemand“ oder „irgendwann“ und wissen, eigentlich meinen wir damit „niemand“ und „nie“. Ich denke, wir müssen konkret werden, wir brauchen Konkrete, damit etwas passiert, konkrete Zeit: von – bis.

Die Zahl 40 hat einen biblischen Bezug: 40 Jahre ist das Volk Gottes in der Wüste unterwegs. 40 Tage fastet Jesus in der Wüste, bevor er öffentlich zu wirken beginnt. Beiden Ereignissen ist eines gemeinsam: Es geht um das sich auszurichten, nach dem Wesentlichen, nach dem Lebensnotwendigen, nach Gott. Was heißt in diesem Zusammenhang 40 Tage lang fasten? Geht es nur um das Essen?

Wenn ich über Fasten denke, kommt mir eine kleine Episode aus dem 9, 15. Kapitel des Matthäusevangeliums immer wieder. Die asketisch durchgefeilten Jünger des Täufers Johannes kommen zu Jesus und fragen ihn: „Warum fasten deine Jünger nicht, während wir und die Pharisäer fasten?“ Jesus antwortet knapp: „Können denn die Hochzeitsgäste trauern, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Es werden aber Tage kommen, da wird ihnen der Bräutigam genommen sein, dann werden sie fasten.

Für Jesus ist das Fasten kein Selbstzweck. Die Worte Jesu klingen so, als ob durch das Fasten nochmals der erlittene Verlust bewusst gemacht werden soll: ich gestehe ein, dass mir etwas Wesentliches im Leben fehlt. Dieser eingestandene Mangel hält mich offen und treibt mich gleichzeitig an, nach Erfüllung zu suchen.

Vielleicht ist das eine Herausforderung, die die Fastenzeit meint: Etwas an meinen bestehenden Ordnungen zu verändern, damit Dinge wieder neu in Bewegung kommen können und sich so auch neu ordnen können. Ich will mich nicht mehr davon gefangen nehmen lassen, was mir zur Gewohnheit geworden ist, damit ich das neu in mein Leben hineinholen kann, was meinem Leben, meiner Lebendigkeit dient. So kann ich mich lösen von dem, was meinen Zugang zu Gott versperrt…

Es geht in der Fastenzeit nicht nur um einen Verzicht um des Verzichten Willens, nicht um ein Leiden um des Leiden Willens, sondern es geht darum, das neu einzuüben, was mir im Alltag dabei hilft, lebendig zu sein und lebendiger zu werden. Wenn wir die kommenden Wochen so sehen, dann werden wir die Erfahrung machen, dass es sicher wichtigere Dinge im Leben gibt, die mein Verhältnis zu Gott neu machen, als Fasten um des Fastens willen.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen, dass die Fastenzeit für Sie wirklich zu einer ganzheitlichen Zeit für Leib und Seele wird. Mögen Sie in Ihrem ganz konkreten Alltag auferstehen zu neuem Leben.